TAZ GERMANY | JULY 2016

Die Zeichnung ist ein künstlerisches Genre, das gerne unterschätzt wird. Dabei ist es gerade die Reduzierung auf das Wesentliche, auf Linie und Hintergrund nämlich, das die Zeichnungen, die derzeit in der Michael Fuchs Galerie zu sehen sind, so faszinierend macht. Gezeigt werden Arbeiten von zehn – wie Kurator Stephan Köhler sie nennt – „systematischen“ Zeichnern.

ZEIT + ORT

Bis 13. 8., Di.–Fr. 10–18 Uhr, Sa. 11–18 Uhr, Auguststr. 11–13

Damit meint er solche, die sich bestimmte Regeln oder (analoge) Codes auferlegen, nach denen sie das Papier füllen. Mathematische etwa, wie bei Timo Nasseri, solche der Repetition wie bei Ignacio Uriarte oder solche der Verdichtung wie bei Jorinde VoigtBettina Kriegs großformatige Zeichnungen ziehen einen förmlich ins Papier hinein. Feine Linien überziehen in klaren Strichen die Bögen, treffen in der Mitte wie in einer Naht aufeinander, sodass die Arbeiten fast dreidimensional wirken.

Tatsächlich in den Raum hinein geht hingegen Keita Mori. Mit Klebstoff fixierte er Baumwollfäden an der Galeriewand, umspannt damit Ecken und entwirft so abstrakte Landschaften. Nadine Fechthat erst fein säuberlich Punkte aufs Papier gereiht und sie dann mit Spucke verschmiert.

Wenigstens hält sie aber auch da von Reihe zu Reihe dieselbe Richtung ein, mal geht es nach oben, mal nach unten. „Der Rest ist Ordnung“, behauptet die Künstlerin im Titel der Arbeit und hat zumindest bezogen auf die Ausstellung vollkommen Recht.

Dieser Text erscheint im taz.plan. Mehr Kultur für Berlin und Brandenburg immer donnerstags in der Printausgabe der taz

TEXT: BEATE SCHEDER


 

FRIEZE | MAY 2013

(...) A similar caution was present in Bettina Krieg’s large pen drawings in the third room. Taking her cue from Hieronymus Bosch and Pieter Brueghel, Krieg portrayed black-and-white worlds full of dynamism and diversity, including birds, botanical gardens and waterfalls, theatres and modern architecture (Untitled, 2012). But her worlds also featured explosions and trashed cars, human organs and tentacles, heavy machinery and graveyards that exuded a sensation of imminent danger. The worlds seemed to almost burst out of their seams, their spherical shape punctured by tentacles and rockets. (...) 


 

Stuttgarter Zeitung | 13 March 2015

Stuttgarter Zeitung, 13. März 2015

PERPETUUM MOBILE

Von Georg Leisten. Die junge Berliner Künstlerin {Bettina Krieg, Anm. der Galerie} ist die derzeit größte Entdeckung ...

Das Obst ist einsam. In der monochromen Leere des Raums wirken die Pflaumen, Aprikosen oder Äpfel auf derTischkante fast so gottverlassen wie Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“. Die Kunstgeschichte ist überhaupt ein gutes Stichwort für die Doppelschau bei Parrotta. Wo Philipp Karl Moritz mit einem Augenzwinkern Romantik, altmeisterliche Stillleben und Farbfeldmalerei herbeizitiert, besinnt sich seine Kollegin Bettina Krieg auf die akademische Tugend der Handzeichnung.

Die junge Berliner Künstlerin ist die derzeit größte Entdeckung im Galerieprogramm. Besonders die riesigen Tuschblätter nehmen einen durch ihre formale wie inhaltliche Vielschichtigkeit sofort gefangen. Das Flüchtige vereint sich mit dem Konzentrierten. Unentwegt springt der Betrachtereindruck zwischen plastischem Relief und flächigem Ornamentteppich hin und her, zugleich glaubt das Assoziationsvermögen bald die eine, bald die andere figürliche Szenerie aus den feinen Strichlagen herauszulesen. Streng genommen handelt es sich bei all dem um freie Abstraktionen, aber um Abstraktionen, die endlos erzählen. Sie sind ein Perpetuum mobile der Vorstellungskraft.  lei

Galerie Parrotta Contemporary Art, Stuttgart

Bis 18.April, Augustenstraße 87 – 89,

Di – Fr 11-18, Sa bis 16 Uh


DRESDNER NEUE NACHRICHTEN | 16 JULY 2014


FRIEZE | JUNE 2013


KUNSTFORUM | #220 | MARCH 2013


SOTOKOTO MAGAZINE | JULY 2012  

VOGUE GERMANY | FEBRUARY 2012



BLEND MAGAZINE #3


SÜDDEUTSCHE ZEITUNG | 14 NOVEMBER 2008

Im schwarz papiernen Cul de Sac der Würzburgerin Bettina Krieg (1981) finden sich fein gezeichnete Flügelstrümpfe, die vom jähen Ende jeglichen Flatterns sprechen. Kaleidoskopartig rapportiert Krieg wie auf einer Ornamenttapete ein Sammelsurium apokalyptischer Details, ihre Welt spricht von Tragik und Neubeginn des Big Bang.
— Evelyn Pschak